Profiling-Special

Eine kleine Zeitreise in die Zukunft und eine Einladung, heute genauer hinzusehen.

Stell dir vor, du bist 85 Jahre alt…

Und plötzlich bekommst du ein ganz besonderes Geschenk: Du darfst für einen einzigen Tag in dein heutiges Leben zurückkehren.

Du wachst an einem ganz gewöhnlichen Morgen auf. In deinem eigenen Bett, in deinem eigenen Zuhause. Du schlägst die Augen auf und brauchst einen Augenblick, um zu begreifen, wo du bist.

Dann siehst du dich selbst. Du gehst ins Badezimmer und schaust in den Spiegel. Dein Gesicht ist plötzlich jung. Keine Falten, die dich stören könnten, kein Körper, über den du dich vielleicht all die Jahre geärgert hast. Du siehst deine Arme, deinen Bauch, deine Beine und kannst kaum glauben, wie leicht sich alles anfühlt. Du streichst über dein Gesicht und musst lächeln.

Vielleicht denkst du in diesem Moment daran, wie viele Gedanken du früher an dein Aussehen verschwendet hast. Wie oft du vor dem Spiegel gestanden und genau das gesehen hast, was dir nicht gefallen hat. Und wie wenig du dabei bemerkt hast, dass dieser Körper dich jeden Tag durchs Leben getragen hat.

Dann hörst du plötzlich eine Stimme aus der Küche. Eine Stimme, die du seit vielen Jahren nicht mehr gehört hast. Es die Stimme deines Mannes. Du läufst in die Küche und da steht er. Ganz selbstverständlich. So, wie er früher jeden Morgen dort stand. Er macht Kaffee, erzählt dir, was er heute vorhat und macht einen kleinen Scherz, über den du dich früher manchmal geärgert hast.

Heute würdest du alles dafür geben, diesen Satz noch einmal zu hören.

Du würdest ihn wahrscheinlich einfach nur ansehen. Seine Bewegungen beobachten, sein Lachen hören, seine Hand nehmen und gar nicht mehr loslassen wollen. Und während er sich vielleicht fragt, was plötzlich mit dir los ist, denkst du innerlich: Wie schön, dass du da bist.

Im Flur liegen die Schuhe deiner Kinder. Eine Jacke liegt auf dem Boden, irgendwo steht ein Spielzeug, vielleicht wartet in der Küche noch das Frühstücksgeschirr vom Vorabend. Wie oft hat dich dieses Chaos früher genervt? An diesem Morgen schmunzelst du darüber.

Denn du weißt plötzlich, dass genau dieses Chaos einmal zu den Dingen gehören wird, nach denen du dich am meisten sehnen wirst. Du gehst ins Kinderzimmer, siehst deine Kinder an und fragst dich, warum du nicht öfter einfach stehen geblieben bist, um diesen Anblick wirklich aufzunehmen und zu fühlen.

Nicht überlegen, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht haben. Nicht darüber nachdenken, dass das Zimmer aufgeräumt werden müsste. Nicht schon wieder an den nächsten Termin denken. Einfach nur schauen und dankbar sein.

Dann klingelt das Telefon. Du hebst ab und hörst ein Wort, das dein Herz sofort erkennt: „Mama.“ Deine Eltern sind am anderen Ende der Leitung. Ihre Stimmen, die du seit so vielen Jahren nicht mehr gehört hast. Vielleicht fragt deine Mutter, wie es dir geht. Vielleicht erzählt dein Vater irgendetwas völlig Unwichtiges. Und genau das wird dir in diesem Moment so unglaublich wertvoll erscheinen.

Du willst ihnen zuhören. Jedem Satz und jeder kleinen Pause. Vielleicht wirst du dich an die Streitereien erinnern, an Dinge, die dir damals wichtig erschienen und die aus der Entfernung plötzlich so klein geworden sind. Du wünschst dir, noch einmal mit ihnen am Küchentisch zu sitzen. Noch einmal ihre Stimme zu hören. Noch einmal dieses ganz gewöhnliche „Pass auf dich auf“ zu bekommen.

Und irgendwann wirst du begreifen: Dieser ganz gewöhnliche Tag ist gar nicht gewöhnlich. Er ist ein riesiges Geschenk.

Denn du weißt, woran damals niemand gedacht hat: Dass genau dieser Tag irgendwann Vergangenheit sein wird. Dass du dich später nach dem Kaffee am Morgen sehnen wirst, nach den herumliegenden Lego-Steinen, nach dem Lachen deines Mannes und nach der Stimme deiner Mutter.

Genau darin liegt die eigentliche Kraft dieses Gedankenexperiments.

Wir verbringen einen erstaunlichen Teil unseres Lebens damit, auf das zu schauen, was noch fehlt. Auf das, was wir verändern möchten. Auf das, was noch nicht gut genug ist. Wir wollen jünger aussehen, mehr verdienen, erfolgreicher sein, mehr erleben, weniger Stress haben. Wir warten auf den nächsten Urlaub, das nächste Wochenende und die nächste große Veränderung.

Dabei könnte es sein, dass wir eines Tages genau auf das zurückblicken werden, was wir heute so gerne verändern möchten und uns wünschen, wir hätten es ein bisschen mehr geliebt. Unser Gesicht, unseren Körper, unsere Familie oder unser Zuhause. Eben dieses ganz normale Leben.

Was bleibt von einem Leben?

Wenn ich mich mit Menschen über ihre Lebensgeschichten unterhalte, fasziniert mich immer wieder, woran sie sich erinnern.

Es sind erstaunlich selten die großen Zahlen und Daten, die zuerst auftauchen. Nicht der genaue Lebenslauf und auch nicht die perfekte Abfolge aller wichtigen Ereignisse. Es sind die (kleinen) Geschichten.

Die Küche der Großmutter, in der es immer nach etwas Bestimmtem gerochen hat. Der Vater, der sonntags die Zeitung gelesen hat. Die Mutter, die beim Kochen gesungen hat. Der erste Urlaub mit den Kindern. Ein Satz, den jemand vor Jahrzehnten gesagt hat und den man bis heute nicht vergessen konnte.

Manchmal ist es sogar etwas ganz Banales: eine bestimmte Tasse, ein Lied im Radio, ein Kleid, das jemand getragen hat oder die Art, wie ein Mensch gelacht hat. Gerade diese vermeintlich kleinen Dinge machen einen Menschen unverwechselbar denn sie erzählen davon, wie sich ein Leben angefühlt hat.

Genau das ist eine Lebensgeschichte: nicht nur die Summe dessen, was jemand erlebt hat, sondern all die kleinen Spuren, die davon geblieben sind.

Erinnerungen brauchen jemanden, der zuhört

Wir tragen unglaublich viel in uns. Geschichten aus unserer Kindheit, Begegnungen, Entscheidungen, Menschen, die uns geprägt haben. Manche Erinnerungen erzählen wir immer wieder, andere liegen jahrelang irgendwo in uns verborgen und tauchen plötzlich auf, wenn jemand die richtige Frage stellt.

„Wie war das damals eigentlich?“

Eine einfache Frage kann eine Tür öffnen und plötzlich ist da eine Geschichte, die man selbst schon fast vergessen hatte. Und genau deshalb finde ich es so wertvoll, wenn wir uns Zeit nehmen, einander zuzuhören. Nicht nur nach den großen Lebensereignissen zu fragen, sondern nach dem, was dazwischen passiert ist.

Wie war dein erster Schultag? Wovor hattest du als Kind Angst? Worüber hast du mit deinem besten Freund gelacht, bis euch der Bauch wehgetan hat? Wie hast du deine große Liebe kennengelernt? Was hat deine Mutter oft gesagt? Was hast du deinem Vater nie gefragt? Und welche Geschichte aus deinem Leben möchtest du eigentlich nicht mit dir sterben lassen?

Denn Erinnerungen sind kostbar. Aber sie sind nicht selbstverständlich.

Mit der Zeit verändern sie sich. Einzelheiten verschwimmen, Namen fallen einem nicht mehr ein, Stimmen werden leiser und irgendwann kann es sein, dass der Mensch, den man noch fragen könnte, nicht mehr da ist.

Eine Stimme kann ein Leben zurückbringen

Das ist der Grund, warum ich Audiografien so liebe. Wenn ich eine Lebensgeschichte aufnehme, geht es nicht darum, einen Lebenslauf abzuhaken oder möglichst viele Daten zusammenzutragen. Es geht darum, einen Menschen kennenzulernen.

Seine Geschichten, seine Erfahrungen und seine ganz eigene Sicht auf das Leben.

Oft passiert dann etwas, das ich jedes Mal besonders finde: Während jemand erzählt, kommt das Leben zurück.

Man hört das Lächeln in einer Stimme, ein kurzes Lachen oder ein Nachdenken. Vielleicht auch einmal ein Schweigen, bevor eine Erinnerung ihren Weg findet. All das kann man aufschreiben. Aber man kann es auch hören.

Und Jahre später kann genau diese Stimme zu einer Brücke werden. Zu einem Menschen, der vielleicht nicht mehr neben uns sitzt und plötzlich wieder ganz nah ist.

Deshalb ist eine Audiografie für mich nicht einfach ein aufgenommenes Gespräch. Sie ist eine Möglichkeit, eine Lebensgeschichte zu bewahren – mit all dem, was sie einzigartig macht.

Vielleicht ist heute der richtige Zeitpunkt

Dafür musst du gar nicht bis 85 warten. Vielleicht reicht es, heute einmal innezuhalten und dich umzusehen. Wer sitzt gerade neben dir? Welche Stimme würdest du vermissen, wenn du sie eines Tages nicht mehr hören könntest? Welche Geschichte deiner Familie kennst du noch nicht? Und welche deiner eigenen Geschichten möchtest du irgendwann deinen Kindern oder Enkeln hinterlassen?

Wir wissen nicht, welche Dinge wir später vermissen werden aber wir können heute anfangen, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Wir können fragen, zuhören oder erzählen. Und wir können Erinnerungen bewahren, bevor aus einem „Weißt du noch?“ irgendwann ein „Ich wünschte, ich wüsste noch …“ wird.

Vielleicht wirst du mit 85 nicht auf die großen Dinge zurückblicken sondern auf an einen ganz gewöhnlichen Morgen. An einen besonderen Menschen, der neben dir am Küchentisch saß. An laute Kinderfüße im Flur. An eine bekannte Stimme am Telefon. An einen Kaffee oder an ein Lachen.

Und vielleicht wirst du dann denken: Warum habe ich eigentlich nicht früher gemerkt, wie wertvoll das alles war?

Du hast die Möglichkeit, es heute zu merken und das ist das schönste Geschenk, das du deinem zukünftigen ICH machen kannst, genau jetzt damit anzufangen. (D)eine Geschichte zu erzählen, eine Erinnerung aufzuschreiben oder einfach jemanden zu fragen:

„Erzähl mir von damals.“

Das schönste Geschenk, das du deinem zukünftigen ICH machen kannst, ist, heute damit anzufangen.

Es gibt Menschen, deren Stimme und Geschichten wir für immer bewahren möchten. Eine ErinnerungsAudiografie kann genau das: ihre Stimme, ihre Geschichten und das, was sie für uns einzigartig macht:

https://www.a-lamprecht-loewe.de/audiografie/ 🎧

2 Kommentare

  1. Vielen Dank, Anja,
    für diesen Blog-Beitrag.
    Er lädt mich dazu ein, öfter mal wieder innezuhalten und den Moment wahrzunehmen – mit all seinen Facetten.
    Viele Grüße
    Anette

    Antworten
    • Vielen Dank für deine Gedanken dazu, liebe Anette.

      Antworten

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