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Du willst schlafen, aber deine Gedanken fahren im Kopf Karussell? Der Tag war stressig, ein Gespräch geht dir nicht aus dem Kopf oder du spielst schon zum hundertsten Mal verschiedene Szenarien für morgen durch?

Dann hilft manchmal etwas erfrischend Einfaches: aufschreiben.

Nicht schön, nicht perfekt und definitiv nicht mit dem Anspruch, einen tollen Text zu produzieren. Einfach nur schreiben.

Freewriting ist eine wunderbare Methode, um Gedanken zu sortieren, Schreibblockaden zu lösen und innerlich etwas mehr Ruhe zu schaffen. Ich nenne es gern einen Mini-Detox fürs Gehirn – denn manchmal tut es erstaunlich gut, das Gedankenchaos nicht länger im Kopf herumzutragen, sondern es einfach aufs Papier zu bringen.

Mini-Detox fürs Gehirn: Gedanken einfach aufschreiben.

Was ist Freewriting?

Freewriting ist eine Methode des freien Schreibens, die in den 1970er-Jahren vor allem durch den amerikanischen Schreibpädagogen Peter Elbow bekannt wurde. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Du schreibst für eine bestimmte Zeit alles auf, was dir gerade durch den Kopf geht. Ohne zu bewerten, zu korrigieren oder darüber nachzudenken.

Dabei spielt es keine Rolle, ob deine Gedanken gerade besonders klug, sortiert oder sinnvoll erscheinen.

Du kannst über die Angst vor dem morgigen Termin schreiben, über ein krankes Kind, das leere Bankkonto, die nervige Kollegin oder darüber, dass du gerade überhaupt keine Ahnung hast, was du schreiben sollst. Auch das darf aufs Papier.

Denn beim Freewriting geht es nicht darum, einen fertigen Text zu verfassen. Es geht darum, den Kopf leerer und den Blick klarer zu bekommen.

Warum kann freies Schreiben so gut tun?

Gedanken, Sorgen, Zweifel, Pläne und Hoffnungen kreisen häufig immer wieder um dieselben Punkte. Beim Schreiben bekommen sie einen Platz außerhalb unseres Kopfes. Die Hand schreibt und der Gedanke folgt.

Und manchmal passiert dabei etwas Überraschendes: Zwischen all den scheinbar belanglosen Sätzen taucht plötzlich ein Gedanke auf, der vorher gar nicht bewusst war. Eine Erkenntnis, eine Frage oder eine Erinnerung. Oder vielleicht sogar eine Idee, was als Nächstes dran sein könnte.

Freewriting kann deshalb helfen, Gedanken zu ordnen, Gefühle auszudrücken und neue Perspektiven zu entdecken.

Und das Beste daran: Niemand muss den Text lesen!

Die 10 goldenen Regeln des Freewriting

  1. Wähle ein Thema oder einen Begriff als Ausgangspunkt.
  2. Stelle einen Timer auf 10, 15 oder 20 Minuten. Für den Anfang reichen auch 5 Minuten.
  3. Beginne einfach zu schreiben, was dir gerade in den Sinn kommt.
  4. Lass die schreibende Hand in Bewegung bleiben.
  5. Lies nicht zurück. Schreib einfach weiter.
  6. Streiche nichts durch. Alles darf stehen bleiben.
  7. Vergiss Rechtschreibung, Grammatik und Satzzeichen.
  8. Versuche, die Kontrolle abzugeben und deinen Gedanken zu folgen.
  9. Wenn du nicht weiterweißt, schreibe einfach: „Mir fällt nichts ein.“ So lange, bis ein neuer Gedanke auftaucht.
  10. Wenn der Timer klingelt, beende deinen Gedanken und hör auf. Freu dich lieber auf das nächste Mal, statt sofort zu analysieren, was da gerade entstanden ist.

Diese Regeln orientieren sich an den klassischen Freewriting-Ansätzen von Peter Elbow und Natalie Goldberg.

Ein wichtiger Tipp: Schreib mit der Hand

Wenn möglich, nimm Papier und Stift.

Handschriftliches Schreiben verlangsamt uns und genau das kann hilfreich sein. Wir sind weniger damit beschäftigt, den Text sofort zu korrigieren oder besonders klug klingen zu lassen. Gedanken dürfen einfach entstehen.

Und noch etwas: Dein Text muss niemandem gefallen. Er muss nicht einmal dir gefallen. Er darf einfach da sein.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten des freien Schreibens. Für ein paar Minuten musst du nichts leisten. Du musst keine gute Autorin und kein guter Autor sein. Du musst keine Geschichte zu Ende bringen. Du darfst einfach schreiben.

Freewriting kann ein Einstieg ins biografische Schreiben sein

Wenn du Freude am Schreiben findest, kann daraus noch viel mehr entstehen…

Denn unsere Gedanken führen uns häufig ganz nebenbei zu Erinnerungen, zu Menschen, Orten, Entscheidungen, Wendepunkten und Momenten, die uns geprägt haben.

Genau hier beginnt für mich biografisches Schreiben.

Es geht nicht darum, eine perfekte Autobiografie zu verfassen. Es geht darum, der eigenen Geschichte Aufmerksamkeit zu schenken. Was hat mich geprägt? Was habe ich erlebt? Was hat mich verändert? Was möchte ich bewahren?

Manchmal liegt zwischen einem leeren Blatt und einer ganz persönlichen Lebensgeschichte nur der erste Satz.

Schreib dich frei und deiner Geschichte entgegen

Ich liebe am Schreiben genau diese Möglichkeit: Es kann uns entlasten, wenn Gedanken zu schwer werden. Es kann Erinnerungen bewahren. Und es kann helfen, den eigenen Lebensweg mit etwas Abstand neu zu betrachten.

Lass dich beim Schreiben von mir begleiten:

Im Kurs „Schreiben in Zeiten der Trauer“ darf das Schreiben Raum für Verlust, Erinnerungen und alles bekommen, was gerade bewegt.

Der Kurs „Befreiungsschlag Schreiben“ richtet sich an Menschen, die Gedanken sortieren, etwas loslassen oder innerlich wieder in Bewegung kommen möchten.

Du musst dafür keine Schreiberfahrung mitbringen. Nur ein bisschen Neugier und idealerweise einen Stift.

Du möchtest dich schreibend auf dich selbst und deine Geschichte einlassen?

Dann schau dir meine Schreibkurse im Lebenskunst-Werk an. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, deinen Gedanken Raum zu geben:

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1 Kommentar

  1. Ein schöner Beitrag! Mit einem Stift drauflosschreiben und giftige Gedanken erbrechen, ohne dass es irgendwem gefallen muss – das ist wahre Befreiung. (Na, ich als perfektionistischer Autor kann das natürlich nicht.) 😃

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